Text: Dr. Regina Wagner

Ich gehörte zu jenen Mädchen, die als Kind zu reiten beginnen und deren größter Traum es war ein eigenes Pferd zu besitzen, außerdem wusste ich mit 5 Jahren bereits, dass ich Tierärztin werden würde. Mit 15 Jahren erlaubten mir meine Eltern, dass ich mir mein erstes Pony kaufen durfte. Ich sparte all mein Taschengeld und kaufte ihn: Amigo, einen 3,5 Jahre alten Shettlandponyhengst (!). Ich ließ ihn kastrieren, ritt ihn und spannte ihn ein (damals war ich noch leicht genug, um auf ihm zu reiten J). Er war von Anfang an ein bösartiges Pferd, hasste alle Männer und viele Frauen und ich glaube er biss so ziemlich jeden in meiner Umgebung außer meine Mutter und mich. Wenn er um mich herum war, benahm er sich wie ein Wachhund, ich konnte ihn richtig auf Leute hetzen.

Ein Jahr später wurde mir klar, dass immer alleine ausreiten langweilig ist und dass Amigo, außer den Schafen auch ein Pferd als Gesellschaft benötigt. Also kaufte ich Ekko, einen 7-jährigen Isländerwallach. Von diesem Tag an ritten meine Freunde und ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit, unabhängig von minus 25 ºC, Regen, Schnee oder Nebel.

Mit 18 begann ich Veterinärmedizin zu studieren und während der ersten Wochen bekam ich – gerade auf dem Weg zur Chemievorlesung – einen Anruf, dass Minu, eine Trakhenerstute, in die ich mich den Sommer zuvor verliebt hatte, im Händlerstall am Weg nach Italien steht. Also fuhr ich kurzerhand anstatt zur Uni dorthin und kaufte sie frei. Danach rief ich meine Mutter an und berichtete ihr vom dritten Pferd. Minu war damals 12 Jahre alt und litt an Hufrehe, ihr Vater war der bekannte Hengst Wind. Also zog Minu zu Amigo, Ekko, den Schafen und Ziegen (ich züchtete damals auch Zwergziegen, die Schafe gehörten meiner Mutter). Die einzige Bedingung meiner Mutter war, dass ich meine Kaninchenzucht aufgeben sollte (33 Angorakaninchen), was ich dann auch tat.

Ich kaufte einen Pferdeanhänger und die nächsten Jahre verbrachten wir mit reiten, reiten und reiten (nie professionell, immer nur amateurhaft, ohne Trainer, denn dazu reichte ja auch das Geld nie bei all den Erhaltungskosten). Nachdem ich das Studium mit dem Doktorrat beendet hatte, ging ich für ein Jahr in die USA und hörte mit dem Reiten auf. Zwei der Pferde leben heute immer noch am Hof meiner Eltern (mittlerweile sind Beide über 30 Jahre alt). Im Juli 2001 war ich beruflich in den USA. Kurz zuvor hatte ich einen Umsteigerkurs von Englischreiten auf Westernreiten absolviert und wollte mich in den USA bezüglich Quarterhorses erkundigen. Im Haus einer Kollegin sah ich ein Video eines Trainers, der mit einem Morgan arbeitete, eine Rasse, von der ich bis dato noch nichts gehört hatte (ich gestehe). Am nächsten Tag sah ich „zufällig“ in einer Pferdezeitschrift eine ganzseitige Anzeige eines wunderschönen Morganhengstes - Sunny (Farceur's Fools Gold). Da die Farm, wo er stand in derselben Stadt war, in der ich mich aufhielt, beschloss ich mir diese Rasse einmal anzusehen – und so passierte es! Ein paar Monate später kamen Nancy Hazelwood und 3 Pferde mit dem Flugzeug in Luxemburg an J . Ich importierte Bay (Farceur´s Bay Perfection), Bucky (Farceur´s Found Gold), beide waren Absetzfohlen und Goldie He He, trächtig von Sunny. Die Pferde reisten von Sacramento nach San Francisco, dann mit dem Flugzeug nach Luxemburg und von dort holten wir sie mit dem LKW nach Österreich. Im Oktober 2001 kamen sie gesund und munter am Bauernhof meiner Eltern an. Alle meine Pferde wurden immer schon in Offenstallhaltung gehalten, sie können 24 Stunden am Tag, 365 Tag im Jahr vom Offenstall auf die Koppel, wie sie wollen und leben ständig im Herdenverband miteinander (das hat sogar ein Warmblut bei Waldviertler Wintern mit bis zu minus 28ºC bis heute überlebt, obwohl mir diese Haltungsform vor 20 Jahren sogar Anzeigen beschert hat!). Bei den Neuankömmlingen war ich jedoch ein wenig besorgt, da sie erstens kein grünes Gras und zweitens sehr heißes Klima gewohnt waren und bei uns im Oktober die Nächte schon empfindlich kalt sein können. Also blieben sie zuerst in den Boxen (eingesperrt) und kamen nur für einige Stunden am Tag auf die Koppel. Es erwies sich jedoch sehr rasch, dass sie die Umstellung ohne jegliche Probleme überstanden und so zogen sie schon bald zu den alten Pferden auf die Koppel.

Im kommenden Mai (2002) wurde MEIN ERSTES FOHLEN geboren, ich nannte sie First – nomen est omen - (Farceur's Austrian First), da sie ja nicht nur mein erstes Fohlen war, sondern auch das erste in Österreich jemals geborene Morganfohlen. Klarerweise war sie das hübscheste und liebste Fohlen, das die Welt je gesehen hat J . Schon bald darauf war es Zeit, Goldie wieder decken zu lassen und ich entschied mich für den Hengst von Claudia Weiser – Bandit (JEM Bandit). Im Jahr darauf wurde Meggy (Farceur´s Austrian Meggy) geboren und Goldie wurde erneut mit Bandit gedeckt und 2004 wurde aus dieser Anpaarung Jessy (Farceur´s Austrian Jessy) geboren.

     

     

Jessy

Meggy (und Goldie)

Bucky zog zu ihren neuen Besitzerin. Bay, Goldie, First, Meggy, Jessy und viele andere Tiere zogen in unser neues und eigenes Bauernhaus, unweit meines Elternhauses; die Pensionisten leben weiterhin bei meinen Eltern. Seit September 2002 wohnen wir nun hier, die Pferde leben zusammen mit den schottischen Hochlandrindern in einem Offenstall mit angeschlossener 4,5 ha großen Koppel. Sie lieben es, im Regen zu stehen oder sich dick einschneien zu lassen oder stehen bei minus 25ºC (so wie die letzten 2 Wochen) draußen im knirschenden Schnee. Nur an heißen Sommertagen, wenn die Insekten sehr lästig sind, ziehen sie sich lieber in den Unterstand zurück – und – ich kenne seit nun über 20 Jahren eigentlich so gut wie keine gesundheitlichen Probleme (Kolik, Lahmheit, Husten – sind Fremdwörter bei uns – an mir würde jeder Tierarzt verhungern).

     

     

First

Bay, First, Meggy (versteckt), Goldie, Rinder

Als Goldie zu uns kam, war sie absolut roh, eine reine Zuchtstute, noch nie geritten. Sie wurde mit ihren 13 Jahren als sie zu uns kam erstmals angeritten. Als es dann galt Bay anzureiten hatte ich das „Glück“ bzw. brachte mich der “Zufall” zu einem sehr guten Trainer – Christian Mayer – und seither nimmt diese kleine, feine Morgan Horse Zucht professionelle Züge an. Wir entschlossen uns im Sommer 2005 die Zucht gemeinsam zu betreiben und voranzutreiben und diese Partnerschaft funktioniert sehr gut. Christian und seine Frau Sabine trainieren die Pferde, mittlerweile ist auch First angeritten und Bay wird von Tag zu Tag besser. Die aupair Mädchen meiner Tochter Pia kümmern sich nicht nur um meine Tochter sondern auch um das Wohlergehen der Pferde, Stephanie aus den USA leistete sehr gute Arbeit und jetzt hilft Gessica aus England bei allen anfallenden Verpflichtungen.

Und nun zu guter Letzt – was nutzt eine Zucht mit 5 Stuten ohne Hengst – entschlossen wir uns einen Hengst zu kaufen. Juvat (genannt Jake) kam im November 2005 zusammen mit Creamy (Farceur´s Creamy Dream – ein Cremello Stutfohlen) wohlerhalten in Pommersdorf an. Diese zwei Pferde kamen gemeinsam mit Sunny (Farceur´s Fools Gold) in Amsterdam an. Schweren Herzens hat sich Nancy Hazelwood von ihrem Sunny getrennt und er genießt jetzt ein gutes Leben in Schweden bei Sven Andersson und Ingela Isetoft. Nancy und Carole begleiteten die Pferde auf der langen Reise von Oregon nach Los Angeles, von dort nach Amsterdam und dann mit dem LKW nach Österreich bzw. Schweden. Die beiden Damen haben nach Ankunft in Holland sowohl Schweden als auch uns in Österreich besucht und uns neue Besitzer mit den Pferden vertraut gemacht. Der Import ging dieses Mal leider nicht so unkompliziert von statten, wie beim ersten Mal, die Monate von der Entscheidung die Pferde zu kaufen – bis sie tatsächlich da waren, hat mich Jahre meines Lebens und sehr viel Nervensubstanz gekostet. Aber ich bereue nichts, denn Jake ist ein Schatz, wir alle sind richtig verliebt in ihn. Abgesehen davon, dass er extrem hübsch und gut erzogen ist, sich immer zu benehmen weiß, ist er auch sehr gut in Englisch- und Westernreiten ausgebildet und Fahren kann er auch. Man kann ihn am normalen Halfter durch die Stuten führen, gemeinsam mit den Stuten Reiten gehen, er ist immer sehr anständig. Und natürlich hat er auch schon seine Pflichten erfüllt und wir freuen uns 2006 auf 5 Fohlen (die Stuten wurden alle in der Herde frei gedeckt). Er benimmt sich gegenüber seinen Stuten sehr anständig und ist ein richtiger Kavalier.

     

     

Amigo, Creamy, Minu (v.l.n.r.)

Jessy

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