A dream has just begun…

Wie einige von euch wissen, importierten ich und mein Mann letzten Herbst Glenmorgan Justin Nox aus der Zucht von Susen Fischer-Henkel in Hamburg nach Österreich.

Für mich wurde dadurch ein lang ersehnter Traum Wirklichkeit, da ich schon seit meiner Jugend vom Morgan Horse – Virus infiziert bin. Der Weg zu meinem ersten Morgan Horse führte über einige Umwege (ich besaß zwischenzeitig einen Lipizzaner-Andalusier Wallach, bekam einen Sohn, machte meine Ausbildung fertig und arbeitete eine Zeitlang in meinem Beruf als Richterin), doch tief in meinem Herzen täumte ich, einmal so ein Pferd zu besitzen, idealerweise vielleicht sogar Morgan Horses zu züchten.

Schon mit 14 Jahren stand da bei einem Eignungstest - den ich absolvierte, um Klarheit über meine Begabungen und weiteren Bildungsweg zu finden-  in Beantwortung der Frage, was ist dein größter Traum: Morgans züchten.

Übers internet fand ich die Verkaufsanzeige von „Glenmorgan Justin Nox“. Kurzerhand entschlossen mein Mann und ich uns, unseren Familienurlaub in Norddeutschland zu verbringen, um uns Justin persönlich anzuschauen. Wir kamen, sahen und kauften. Es fiel mir unendliche schwer – ohne Pferd – wieder zurückzufliegen, weil ich wusste, die nächsten drei Monate werden mir vorkommen wie Jahre. So war es auch. Seit dem Zeitpunkt, als ich von meinem Mann das o.k. bekommen hatte, dass wir uns ein Morganfohlen kaufen werden, war mein Leben von einer bereits verloren geglaubten Freude erfüllt. Eigentlich konnte ich es gar nicht fassen. Man muss sich das in Etwa so verstellen, als wenn eine Frau, die sich Jahrelang ein Kind gewünscht hätte, endlich schwanger geworden ist.

Als wir Justin dann endlich holten, habe ich glaube ich einige Nächte nicht geschlafen. Die Vorfreude war riesengroß und als wir dann endlich bei Susen waren, wollte ich am liebsten gar nicht mehr Justin von der Seite weichen, außerdem habe ich es wahnsinnig genossen, mich mit Susen austauschen zu könne. Ansprechpartner betreffend dem Morgan hatte ich ja vorher gar keine und jetzt hatte ich endlich ein Gegenüber mit meiner Schwärmerei.

Die Reise nachhause verlief wie am Schnürchen. Probleme gab es nur bei der Abfahrt in Wien (Anhängerkupplung defekt), und bei der Ankunft zuhause (Hengstkoppel nicht fertig, daher Boxen“Stopp“ für zwei Wochen).

Die Probleme mit der Unterbringung von Justin rissen leider nicht ab (mangelnde Stallhygiene und immer wieder diverse Nachlässigkeiten des Züchters, auf dessen Hengstweide wir Justin untergebracht hatten). Hinzu kam, dass Justin sich einen furchtbar lästigen und hartnäckigen Husten einfing, der mehrere Behandlungen nach sich zog, letztlich jedoch mit Hilfe eines erfahrenen Homöopathen geheilte werden konnte. Die langwierige Behandlung und die damit verbundenen ausgedehnten Spaziergänge führten jedoch dazu, dass ich schon schnell eine sehr enge Beziehung zu Justin aufbauen konnte. Die anfängliche Unsicherheit wich und ich freute mich schon sehr auf ein Ende dieses furchtbar langen Winters. Ich hatte schon einige Plätze in Aussicht, die als Alternative zum jetztigen AUfzuchtplatz in Frage kamen, jedoch wollte ich, dass Justin vollständig ausgeheilt von seinem Husten war und ganz sicher sein, dass der neuen Platz nicht wieder ungeahnte Überraschungen bereithielt. Dort sollte er bleiben können.

Doch leider kam alles anders. Die Bilder dieses einen grauenvollen Nachmittags haben sich in mein Gehirn hineingebrannt und ziehen immer wieder vor meinem inneren Auge vorbei, ob ich will oder nicht. Ich weiß noch, welche Musik ich hörte, als ich beim Stall ankam…. Wie ich Justin suchte, ihn im Offenstall mit einem zweiten Jährling liegen sah und mir absulut nichts dabei dachte. Mir viel auf, dass er etwas geschwitzt hatte, …. Und dann sah ich, dass sein linkes Hinterbein mehrwürdig nach hinten gestreckt war – und zwischen einem durchgetretenen Brett und dem Betonsockel des Offenstalls eingeklemmt war. Ich sah mir die Sache an und sah schnell, dass ich selbst hier nichts ausrichten könnte, sondern wahrscheinlich alles nur schlimmer machen würde. Ich rief den Stallburschen an, der bereits auf dem Weg zur Hengstweide war. Mit vereinten Kräften gelang es uns Justin zu befreien. Er war sehr erschöpft, legte sich zur Seite.  Nach einiger Zeit stand er wieder, der Fuß blutete unentwegt, aber er belastete ihn auch……anscheinend nichts gebrochen !!! Ich war in unglaublicher Sorge, mir wurde aber immer wieder Hoffung gemacht… das wird schon wieder.

In der Pferdeklinik erfuhren wir dann, dass Justins Beinverletzung sehr ernst war. Eine große Stelle an der inneren Fessel war bis zum Knochen freigewetzt, Bänder gerissen. Mein Mann rief mich an - ich war zuhause, weil ich unseren Sohn betreuen und zu Bett bringen musst.

Auch dieses Telefonat werde ich nie vergessen, es ist wohl das schlimmste, das ich in meinem bisherigen Leben geführt habe: er sagte mir, was die Tierärztin dort herausgefunden hätte und ….ich weiß nicht mehr, was er sonst noch sagte, ich weiß nur noch, dass ich auflegte – und in diesem Moment eine Welt für mich zusammenbrach. Sie hat bis heute noch nicht wieder angefangen sich zu drehen.

Justin war ein Pferd mit einem goldenen Charakter. Jeder, der mit ihm zutun hatte, sagte das. Ich finde es unglaublich unfair, dass er nicht einmal ein Jahr alt werden durfte. Bei jeden neuen, dieser unglaublich wunderschönen Frühlingstage, denke ich mir: ach, hätte nur Justin diesen schönen Tag erleben dürfen. Hätten wir diesen kommenden Sommer, in dem ich so viel mit ihm vorhatte, nur erleben dürfen. Aber es gibt kein „wir“ mehr, es gibt nicht einmal mehr ein ganzes ICH, weil ich habe das Gefühl, als hätte man mir einen Teil meines Herzens herausgerissen, mit aller Gewalt. Ich stehe morgens auf, gehe zur Arbeit, kümmere mich um meine Familie, aber innerlich habe ich das Gefühl, als wäre mein Leben stehen geblieben. Ich war noch nie so traurig.

Es wird besser werden, und vielleicht finde ich auch irgendwann einmal heraus, warum das alles passiert ist, denn wie hat Soren Kierkegaard es einmal so treffen formuliert:

„Leben muss man das Leben vorwärts, verstehen kann man es nur rückwärts.“